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Natascha Adamowsky: »In bunten Bildern wenig Klarheit, viel Irrtum und ein Fünkchen Wahrheit.« Über die schwierige Beziehung der Moderne zum Spiel

Weimarer Reden 2015 //

Die Welt als Spiel? Chancen und Risiken unserer Freiheit

Unsere Alltagswelt ist vollständig von Spielen durchdrungen: Virtuelle Welten auf Computer und Smartphone begleiten uns auf Schritt und Tritt. Spiel- und Quiz-Shows im Fernsehen, Zockerei, Wettkampf und Glücksspiel oder die Euphorie für Olympia und Fußball sind Alltagsphänomene unserer Gesellschaft – ebenso wie riskante Börsen-Spekulation, militärische Drohgebärden und politisches Wettrüsten. Wir leben in einer Welt der Spieler. Aber wer gibt die Spielregeln vor, wann wird das Spiel zur Gefahr – und sind wir selbst am Ende Gewinner oder Verlierer?

Keine Gesellschaft zuvor lebte in so großer Freiheit wie wir heute. Die globalisierte Welt suggeriert uns, alle nur erdenklichen Chancen und Möglichkeiten zu haben. Aber wie groß sind unsere Spielräume tatsächlich? Wie viel Platz ist in unserer auf Effektivität eingestellten Gesellschaft für Kreativität, Selbstversuch und Scheitern? Erst im spielerischen Austesten und Probieren kann der Mensch seine Potenziale entwickeln und Grenzen des Denkens überwinden – frei nach Schillers berühmter Aussage, der Mensch sei »nur da ganz Mensch, wo er spielt«. Wenn Demokratie auf die Teilhabe mündiger Bürgerinnen und Bürger setzt, müssen wir uns fragen, wie viele Freiräume wir uns künftig leisten wollen, welche Spiele wir zulassen und welche wir reglementieren müssen.

Vier Redenbeiträge stellen an den März-Sonntagen jeweils ihre Perspektive auf das Phänomen »Spielen« vor – und beleuchten seine Chancen und Risiken: Der Neurobiologe und Hirnforscher Gerald Hüther eröffnet die diesjährigen Weimarer Reden am 8.3. mit einem Plädoyer für mehr kognitive Spielerfahrungen. Der Politologe Michael Zürn spricht am 15.3. über Spieltheorie im Geflecht von Wirtschaft und Demokratie. Am 22.3. beleuchtet die Medien- und Kulturwissenschaftlerin Natascha Adamowsky virtuelle Spielwelten. Und am 29.3. schließt der Literatur- und Sozialwissenschaftler Klaus Theweleit die Reihe mit einer Rede über Männlichkeit und Fußball-Kultur.

Die Weimarer Reden sind seit 1994 ein Gemeinschaftsprojekt der Stadt Weimar und des DNT. Moderiert werden die Gespräche auch in diesem Jahr von der Journalistin Liane von Billerbeck.

 

Sonntag, 22.3.2015, 11 Uhr im Großen Haus

»In bunten Bildern wenig Klarheit, Viel Irrthum und ein Fünkchen Wahrheit«. Über die schwierige Beziehung der Moderne zum Spiel

Natascha Adamowsky (Kultur- und Medienwissenschaftlerin)

 

Moderation: Liane von Billerbeck

 

Natascha Adamowsky (geboren 1967) studierte an der Hochschule der Künste in Berlin am Institut für Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation. 1998 promovierte sie an der Universität Siegen mit einer Arbeit zum Thema »Spielfiguren in virtuellen Welten«. Anschließend war sie wissenschaft­liche Mitarbeiterin und von 2002 bis 2009 Juniorprofessorin für Spieltheorie und Medienkultur am Institut für Kulturwissenschaft der Humboldt Universität zu Berlin. 2009 habilitierte Natascha Adamowsky und wurde Professorin für Kulturwissen­schaftliche Ästhetik an der Humboldt Universität. Seit 2011 ist sie Professorin am Institut für Medienkulturwissenschaft der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Sie lehrt und forscht in den Bereichen ludische Erkenntnistheorie, Medienästhetik und Wissenskultur. Ihre Forschung befasst sich mit den Chancen und Risiken einer digital vernetzten Lebens- und Arbeitswelt und auch immer wieder mit dem kulturellen Phäno­men der Computerspiele.

 

 


 

8.3.2015 / 11 Uhr / Großes Haus

Etwas mehr Hirn, bitte. Weshalb wir unsere Potenziale nur spielerisch entfalten können
Gerald Hüther (Neurobiologe und Hirnforscher)

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15.3.2015 / 11 Uhr / Großes Haus

Ist die Politik ein Spiel? Nutzen und Elend der Spieltheorie in den Sozialswissenschaften
Michael Zürn (Politologe und Spieltheoretiker)

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22.3.2015 / 11 Uhr / Großes Haus

»In bunten Bildern wenig Klarheit, Viel Irrthum und ein Fünkchen Wahrheit«. Über die schwierige Beziehung der Moderne zum Spiel
Natascha Adamowsky (Kultur- und Medienwissenschaftlerin)

 

 

29.3.2015 / 11 Uhr / Großes Haus

»Das All im Ball« Mit Wörtern spielen, mit Bällen spielen, Krieg spielen! Fußball - Extreme 
Klaus Theweleit (Literatur- und Sozialwissenschaftler)

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Liane von Billerbeck (Moderatorin)

Liane von Billerbeck studierte Journalistik in Leipzig, war Kultur­redakteurin bei der Neuen Berliner Illustrierten (NBI) und arbeitet seit 1991 als freie Journalistin und Gerichtsreporterin. Es entstanden Beiträge u.a. für Spiegel, Stern, Die Zeit, taz, Berliner Zeitung und GEO. Zudem arbeitet Liane von Billerbeck als Hörfunk- und Fernsehmoderatorin: Sie moderierte das ORB-Politmagazin Klartext und war Kommentatorin für die ARD Tagesthemen. 2001 ging sie nach Hamburg als Politikredakteurin für Die Zeit. 

Seit 2003 ist sie Autorin und Kolumnistin für WDR5, seit 2005 auch Moderatorin bei Deutschlandradio Kultur. Im Ch. Links Verlag erschienen u.a. ihre Bücher »Satanskinder. Der Mordfall Sandro B.« (1995), »Generation Ost« (1999) oder »Scientology. Wie der Sektenkonzern die Welt erobern will« (2008, gemeinsam mit Frank Nordhausen).

 

 

 

 

Medienpartner sind die Thüringische Landeszeitung und der mdr Thüringen
Als Hauptsponsor unterstützen die Stadtwerke Weimar sowie die Thüringer Netkom die Weimarer Reden.