23 | 10 | 17

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Manfred Lütz – Die Werte, die Wahrheit und das Glück

Weimarer Reden 2017 //

Was ist uns heilig?

Mit Tiefsinn und Humor, sympathisch und undogmatisch, locker und amüsant spricht Manfred Lütz Klartext über Gott, die Welt, das Leben und die Ewigkeit. In seiner Rede wird er nicht weniger als ›eine kleine Geschichte des Größten‹ entwerfen und den Bogen spannen von Kant bis Habermas, von Dieter Bohlen bis Karl Lagerfeld, von Elton John bis zu einer netten Prostituierten. Er nimmt die Argumente ›der besten Atheisten der Welt‹ unter die Lupe, skizziert die Debatten um Evolutionstheorie und Hirnforschung, analysiert, wie die Psychologen Gott auf die Couch gelegt haben und fragt nach dem speziellen Gott der Kinder, der Lehrer, der Wissenschaftler und Philosophen.

Manfred Lütz ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Nervenarzt und Theologe. Er studierte Humanmedizin, Philosophie und katholische Theologie. Bekannt wurde er durch verschiedene Bestseller, darunter »Gott – Eine kleine Geschichte des Größten«, wofür er 2008 den internationalen Corine-Buchpreis erhielt, sowie »Irre! Wir behandeln die Falschen. Unser Problem sind die Normalen.«, »Bluff! Die Fälschung der Welt« und »Wie Sie unvermeidlich glücklich werden. Eine Psychologie des Gelingens«. 

Manfred Lütz hält zahlreiche Vorträge, seit 2006 tritt er, ungewöhnlich für einen Wissenschaftler, auch im Kabarett auf.

Moderation: Liane von Billerbeck

 


 

Weimarer Reden 2017

Was ist uns heilig?

»Nun sag, wie hast du‘s mit der Religion?«, fragt Margarete in Goethes »Faust« und stellt damit die sogenannte Gretchen-Frage. Faust gibt eine komplexe Antwort darauf, die sich einfacher Eindeutigkeit entzieht. Und wie halten wir, jeder einzelne von uns, es heute mit der Religion, besser gefragt mit den Religionen? Oder, um noch einen Schritt weiter zu gehen, woran glauben wir? 

In unserer säkularisierten Gesellschaft könnte man die Frage nach der Religion in die viel Grundsätzlichere nach dem, was uns heilig ist, umwandeln: Glauben wir überhaupt noch? Oder sogar zuviel? Und woran? An einen Gott? Und wenn ja, an welchen? Oder eher an bestimmte ethische Werte, an die Individualität oder eher an die Schwarmintelligenz? 

Glauben war nie nur an Religionen allein gebunden. Er prägte immer auch die verschiedensten Bereiche: Wissenschaften, Kunst, Philosophie, Ökonomie. Und auch heute sind unsere politischen Überzeugungen oft mehr von Glauben geprägt als von Wissen. Entsprechend steht es auch um unsere Handlungen: der Glaube an Personen, Meinungen, Werte steuert uns durch unseren Alltag, und gibt uns das Gefühl zu wissen, dass das, was wir tun, richtig ist. Nicht umsonst wurde ›postfaktisch‹ zum Wort des Jahres 2016 gekürt.

Was ist überhaupt Glauben? Die ewige Suche nach einer höheren Idee, die Fähigkeit zu vertrauen und aus diesem Vetrauen heraus zu bewerten oder einfach nur eine anthropologische Grundstruktur im Sinne von ›irgendwas glaubt jeder‹? Ist Glauben naiv, ein Anzeichen von Unaufgeklärtheit – oder ist er die einzige Möglichkeit sich in einer differenzierenden Welt zu orientieren? Wie auch immer sich unser persönliches Glaubensempfinden gestaltet, können wir uns der Brisanz und Notwendigkeit dieser neuen Gretchen-Frage nicht entziehen. Nach Antwort verlangt aber auch die alte Frage, die nach der Religion, nach Gott, die uns als Gesellschaft weiterhin beschäftigen wird.

Diesen und anderen ›Glaubensfragen‹ stellen sich unsere diesjährigen Redner und Rednerinnen. Feridun Zaimoglu, Manfred Lütz und Elisa Klapheck sind in ihrer Arbeit auf unterschiedlichste Weise mit dem Thema des Glaubens konfrontiert. Aus ihren beruflichen und religiösen Kontexten werfen sie für uns einen persön­lichen Blick darauf, was uns/ihnen heilig ist.

 

Feridun Zaimoglu  
Über das Heilige im Alltag. Eine Spurensuche.
05.03.2017, 11 Uhr, Großes Haus

Manfred Lütz
Die Werte, die Wahrheit und das Glück
12.03.2017, 11 Uhr, Großes Haus

Elisa Klapheck  
​Judentum als politische Herausforderung
19.03.2017, 11 Uhr, Großes Haus