23 | 10 | 17

Spielplan

Großes Haus
Premiere
23 | 05 | 15
Stückdauer
1 Std. 45 Min.
Alter
ab 14 Jahren

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Bertolt Brecht

Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui //

»Glauben müsst ihr, glauben! Dass ich das Beste will für euch und weiß, was dieses Beste ist. Und damit auch den Weg ausfind, der zum Sieg uns führt.«

Die Weltwirtschaftskrise am Ende der 1920er Jahre hat auch vor den Gemüsehändlern in Chicago nicht Halt gemacht: Man kämpft mit allen Mitteln ums Überleben. Zwischen korruptem Blumenkohl und gierigem Grünzeug taucht plötzlich Arturo Ui auf, ein Kleinkrimineller aus der Bronx, der nun seine große Chance wittert. Mit Schutzgeld-Erpressung, Mord und unverhohlener Dreistigkeit steigt er in kürzester Zeit zum gefürchteten Gangsterbaron auf – und zwingt schließlich Wirtschaft, Politik und Justiz auf seine Seite. In einer groß angelegten Selbstinszenierung lässt sich Arturo Ui von den Stadtbewohnern zum »Führer« wählen, bevor er die Eroberung weiterer amerikanischer Großstädte startet.

Bertolt Brecht schrieb die satirische Parabel über Hitlers Machtergreifung 1941 im finnischen Exil. Seine »große historische Gangsterschau«, die er in Anlehnung an Mafia-Legende Al Capone in die Chicagoer Unterwelt verlegte, war für amerikanisches Publikum und eine Premiere am Broadway konzipiert. Doch dort konnte zu dieser Zeit niemand etwas damit anfangen, weshalb das Stück erst 1958 in Stuttgart zur Uraufführung kam. Nach Filmen wie Chaplins »Der große Diktator« (1940) oder Lubitschs »Sein oder Nichtsein« (1942) ist die Satire inzwischen ein bewährtes Mittel zur Bloßstellung der Mechanismen von Diktatur und Faschismus. Brecht nimmt Hitler das Dämonische und zeigt, dass dessen Aufstieg nicht zwingend, sondern »aufhaltsam« gewesen wäre.

Regisseur Christoph Mehler, der u. a. in Frankfurt, Leipzig oder Mainz inszeniert, stellt nach »Herr Jensen steigt aus« seine zweite Arbeit am DNT vor – und zeigt in dieser Spielzeit neben Robert Schusters Inszenierung von »Mephisto« eine weitere Aufsteigergeschichte aus dem Vorabend des Zweiten Weltkriegs.

Pressestimmen
» (...) An der Rampe steht ein kleiner Chor von acht, neun Ensemblemitgliedern: »Ui! Ujui, ujui!« Der Anfang des Abends lebt von diesen Chorauftritten, von Texten, die laut und aggressiv ins Publikum geschmettert werden: »Was ist mit der Moral in der Zeit der Krise!?« Man merkt an Lachern, dass verstanden wurde, wie aktuell dieser Satz noch ist. (...) Christoph Mehler leistet sich eine Mixtur aus Regietheatereinfällen und in den Chorszenen Anspielungen auf den Agitprop und erzielt dabei ein erstaunliches Ergebnis. (...) Mehler zeigt Uis frühe Opfer tot am Boden, im Gegenlicht und unter Rauchschwaden wie eine Vision der späteren Schlachten, eine besonders beeindruckende Szene dieses spannenden Abends.« Helmut Schödel, Süddeutsche Zeitung, 29.5.2015

»Regisseur Christoph Mehler und sein glänzendes Ensemble tun es im Grunde der Ui Bande gleich: Sie erzeugen Stimmung. Aus dem Text kitzeln sie alles Theaterpotential heraus, laden ihn atmosphärisch zeitgemäß auf, schreiben ihn ins Heute fort. (...) Und Ingolf Müller-Beck: entfaltet lakonisch, fast lässig die narzisstisch gestörte Persönlichkeit Ui. (...) Ein Abend, der Debatten auslöst.« Michael Helbing, Thüringer Allgemeine, 27.5.2015

»(...) und spätestens ab jetzt zeigt sich, wie sehr Ingolf Müller-Beck in seiner Rolle aufgeht: Sein Ui ist unverschämt, roh und ohne Manieren und nicht minder machtgeil als Hitler. Er ist der Populist von nebenan, der für Weimar salonfähig gemacht wird. Und dieser Akt findet im Deutschen Nationaltheater statt.« Frank Quilitzsch, Thüringische Landeszeitung, 26.5.2015

 

Christoph Mehler (Regie)
Jochen Schmitt (Bühne)
Lena Thelen (Kostüme)
Daniel Freitag (Musik)
Marcus Crome (Chorleiter)
Bahadir Hamdemir (Video)
Julie Paucker (Dramaturgie)

Besetzung

Ingolf Müller-Beck (Arturo Ui)
Jonas Schlagowsky (Ernesto Roma)
Jan Viethen (Dogsborough)
Nadja Robiné (Betty Dullfeet)
Fridolin Sandmeyer (Giuseppe Givola)
Nahuel Häfliger (Manuele Giri)
Dascha Trautwein / Katharina Hackhausen (Schauspielerin / Butcher)
Julius Kuhn (Sheet / Clark)
Thomas Kramer (Ignatius Dullfeet)
Mirjam Birkl (Dockdaisy)