18 | 10 | 17

Spielplan

E-Werk Maschinensaal
Premiere
15 | 11 | 13
Stückdauer
1 Std. 15 Min.

Termine

Anfahrt

Fotos

nach dem Roman von Jakob Hein

Herr Jensen steigt aus //

Uraufführung der Bühnenfassung von Christoph Mehler und Julie Paucker

 

„Man sollte arbeiten gehen. Man sollte eine Frau oder zumindest häufig Sex haben. Man sollte viele Freunde haben. Man sollte die aktuelle Mode kennen. Man sollte Ahnung von Musik haben. Man sollte fröhlich sein. Man sollte Geld haben. Man sollte schön sein. Man sollte etwas mit sich anfangen. Man sollte Träume haben.“

 

Herr Jensen ist Briefträger bei der Post. Was vor Jahren als Studentenaushilfsjob begann, ist nun jene Arbeit geworden, mit der er sich seine Brötchen verdient. Sein Studium ist irgendwann auf der Strecke geblieben. Aber das macht Herrn Jensen nichts aus. Eigentlich ist er zufrieden mit seinem Leben.
Da trifft ihn die ›betriebsbedingte Kündigung‹ wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Herr Jensen versteht die Welt nicht mehr, denn plötzlich muss er ins Jobcenter, obwohl ihm gesagt wird, dass es keine Arbeit für ihn gäbe. Er muss Umschulungen besuchen, die ihn ›fit for Gastro‹ machen sollen, wo er doch nichts anderes sein möchte als ein Postbote, der früh durch die Straßen zieht und Postkästen füllt und leert.
Extreme Situationen bringen selbst so unauffällige Zeitgenossen wie Herrn Jensen auf extreme Gedanken. Beschäftigungslos, wie er jetzt ist, beginnt er sich intensiv mit dem Zustand der Beschäftigungslosigkeit zu beschäftigen und entdeckt dabei verblüffende Tätigkeiten: zum Beispiel analytisches Fernsehen. Dass Herr Jensen am Ende seines Selbstversuchs seinen Guckkasten aus dem Fenster wirft, ist Resultat seiner gründlichen Analyse, genauso wie die Diagnose, dass er nicht das ist, was gesellschaftlich als ›normal‹ gilt. Diese Erkenntnis weckt seinen Widerstand. Herr Jensen erteilt der Welt, die ihn in ihre Funktionsschemata einbauen will, eine entschiedene Absage. Er steigt aus.
Jakob Hein erschafft mit seiner Erzählung das komischtraurige Porträt eines Außenseiters, das uns mit der Frage zurück lässt, wer eigentlich hier versagt: Herr Jensen oder das System, dem er sich so entschieden verweigert.

Christoph Mehler studierte Schauspiel, bevor er als Regisseur in der freien Szene arbeitete. Von 2003 bis 2006 assistierte er am Deutschen Theater Berlin u.a. Dimiter Gotscheff, Jürgen Kruse und Armin Petras. Anschließend wurde er dort Leiter und Regisseur der Spielstätte »Box und Bar«. Christoph Mehler inszeniert u.a. am Staatstheater Nürnberg, Staatstheater Braunschweig, Staatstheater Mainz sowie am Schauspielhaus Wien. Seit zwei Jahren ist er Hausregisseur am Schauspiel Frankfurt.

 

Christoph Mehler (Regie)
Jochen Schmitt (Bühne und Kostüme)
Bahadir Hamdemir (Video)
Julie Paucker (Dramaturgie)

Besetzung:

Philipp Otto (Herr Jensen)