18 | 12 | 17

Spielplan

Großes Haus

Termine

Anfahrt

Fotos

Audio

Elisa Klapheck – Judentum als politische Herausforderung

Weimarer Reden 2017 //

Was uns heilig ist

Woher kommen unsere Werte? Menschenrechte, demokratischer Rechtsstaat, Pluralismus und die Gleichberechtigung der Frau sind heilige Werte unserer Gesellschaft. Rabbinerin Elisa Klapheck zeichnet nach, wie sich diese aus dem Judentum begründen und unsere heutige Gesellschaft stärker prägen, als die meisten von uns wissen. 

Elisa Klapheck ist liberale Rabbinerin in Frankfurt am Main und Professorin für jüdische Studien in Paderborn. Vor ihrer Ordination 2004 war die studierte Politologin über viele Jahre Journalistin.

2005 zog sie für vier Jahre nach Amsterdam und war dort als ­erste Rabbinerin in der niederländisch-jüdischen Geschichte bei der Gemeinde »Beit Ha’Chidush« (Haus der Erneuerung) angestellt. Von ihr erschienen u.a. »Fräulein Rabbiner Jonas – Kann die Frau das rabbinische Amt bekleiden?« (1999) und »So bin ich Rabbinerin geworden. Jüdische Herausforderungen hier und jetzt« (2005). 

Seit den 1990er-Jahren engagiert sich Elisa Klapheck für eine Erneuerung der jüdisch-religiösen Tradition und tritt in diesem Zu­sam­men­hang für einen neuen Dialog zwischen Religion und ­Politik ein. In diesem Zusammenhang gibt sie die Reihe »Machloket/Streitschriften« heraus, in der sich jüdische Autoren zu gesellschaftspolitischen Gegenwartsfragen äußern.

Moderation: Liane von Billerbeck

 


 

Weimarer Reden 2017

Was ist uns heilig?

»Nun sag, wie hast du‘s mit der Religion?«, fragt Margarete in Goethes »Faust« und stellt damit die sogenannte Gretchen-Frage. Faust gibt eine komplexe Antwort darauf, die sich einfacher Eindeutigkeit entzieht. Und wie halten wir, jeder einzelne von uns, es heute mit der Religion, besser gefragt mit den Religionen? Oder, um noch einen Schritt weiter zu gehen, woran glauben wir? 

In unserer säkularisierten Gesellschaft könnte man die Frage nach der Religion in die viel Grundsätzlichere nach dem, was uns heilig ist, umwandeln: Glauben wir überhaupt noch? Oder sogar zuviel? Und woran? An einen Gott? Und wenn ja, an welchen? Oder eher an bestimmte ethische Werte, an die Individualität oder eher an die Schwarmintelligenz? 

Glauben war nie nur an Religionen allein gebunden. Er prägte immer auch die verschiedensten Bereiche: Wissenschaften, Kunst, Philosophie, Ökonomie. Und auch heute sind unsere politischen Überzeugungen oft mehr von Glauben geprägt als von Wissen. Entsprechend steht es auch um unsere Handlungen: der Glaube an Personen, Meinungen, Werte steuert uns durch unseren Alltag, und gibt uns das Gefühl zu wissen, dass das, was wir tun, richtig ist. Nicht umsonst wurde ›postfaktisch‹ zum Wort des Jahres 2016 gekürt.

Was ist überhaupt Glauben? Die ewige Suche nach einer höheren Idee, die Fähigkeit zu vertrauen und aus diesem Vetrauen heraus zu bewerten oder einfach nur eine anthropologische Grundstruktur im Sinne von ›irgendwas glaubt jeder‹? Ist Glauben naiv, ein Anzeichen von Unaufgeklärtheit – oder ist er die einzige Möglichkeit sich in einer differenzierenden Welt zu orientieren? Wie auch immer sich unser persönliches Glaubensempfinden gestaltet, können wir uns der Brisanz und Notwendigkeit dieser neuen Gretchen-Frage nicht entziehen. Nach Antwort verlangt aber auch die alte Frage, die nach der Religion, nach Gott, die uns als Gesellschaft weiterhin beschäftigen wird.

Diesen und anderen ›Glaubensfragen‹ stellen sich unsere diesjährigen Redner und Rednerinnen. Feridun Zaimoglu, Manfred Lütz und Elisa Klapheck sind in ihrer Arbeit auf unterschiedlichste Weise mit dem Thema des Glaubens konfrontiert. Aus ihren beruflichen und religiösen Kontexten werfen sie für uns einen persön­lichen Blick darauf, was uns/ihnen heilig ist.

 

Feridun Zaimoglu  
Über das Heilige im Alltag. Eine Spurensuche.
05.03.2017, 11 Uhr, Großes Haus

Manfred Lütz  
Die Werte, die Wahrheit und das Glück
12.03.2017, 11 Uhr, Großes Haus

Elisa Klapheck
​Judentum als politische Herausforderung
19.03.2017, 11 Uhr, Großes Haus