17 | 12 | 17

Spielplan

E-Werk Maschinensaal
Premiere
08 | 09 | 13
Stückdauer
1 Std. 45 Min.
Alter
ab 16 Jahren

Termine

Anfahrt

Fotos

Texte

nach dem Roman von Christoph Hein

Weiskerns Nachlass //

Uraufführung // Bühnenfassung von Julie Paucker und Enrico Stolzenburg

 

„Die Hiobsbotschaften der letzten Wochen, dachte er, waren ausreichend, nach dem Gesetz der Serie müsste langsam irgendwo Land zu sehen sein.“

 

Rüdiger Stolzenburg ist 59 Jahre alt. Er ist ein recht beliebter Dozent am kulturwissenschaftlichen Institut in Leipzig, und schafft es immer noch, seine Studenten – und Studentinnen – zu beeindrucken, ja manch unzweideutiges Angebot musste er schon lächelnd abwehren; er hat noch seine Ideale. Die aktuelle Lebensabschnittspartnerin (Bindungen, die länger als sechs Monate dauern, sind ihm lästig) ist jung, attraktiv und nett, er mag sie wirklich. Und mit seinem Lieblingsforschungsprojekt über den Kartografen und Mozart-Librettisten Friedrich Wilhelm Weiskern könnte ihm demnächst der Durchbruch gelingen, denn plötzlich sind Briefe aufgetaucht, von denen keiner wusste.
So sieht es Stolzenburg in seinen optimistischeren Stunden.
Dann wieder drängt sich ihm der Verdacht auf, dass das, was bisher in seinem Leben und in seiner Karriere nicht passiert ist, jetzt auch nicht mehr kommt. Seit 15 Jahren wartet er darauf, dass seine halbe Dozenten-Stelle in eine Ganze umgewandelt wird; leider stehen die Zeichen am Institut aber eher auf Kürzungen. Für seinen Weiskern interessiert sich im Grunde keiner und hinter den Briefen könnte ein Betrug stecken. Henriette, die einzige Frau seit langem, die längerfristig in Frage käme, bleibt auf Distanz.
Etwas spitzt sich zu: Plötzlich hat Stolzenburg mit einem Kriminalfall zu tun, mit Bestechungsversuchen, mit Gewalt auf der Straße, mit Geldforderungen, er läuft Gefahr, definitiv in die Armut abzurutschen, alleine alt zu werden – handelt es sich um persönliches Versagen, eine Verkettung negativer Zufälle, um eine Pechsträhne? Oder hat sich da in der Gesellschaft etwas unmerklich verschoben und Stolzenburg ist nur einer von Vielen, die nicht mehr mitkommen?
Mit der für ihn typischen Gelassenheit schildert Christoph Hein das spektakulär unspektakuläre Leben Rüdiger Stolzenburgs und zeichnet damit den Verlauf einer (ost-)deutschen Gelehrten-Biografie, deren scheinbare Mittelmäßigkeit nicht zuletzt die Folge historischer Verwerfungen ist. Stolzenburg ist der prototypische Vertreter eines wachsenden akademischen Prekariats. Er ist die ernüchternde, aktuelle Antwort auf Faust.

Enrico Stolzenburg inszenierte u.a. in Berlin, Bern, Konstanz, Freiburg und Magdeburg. Seine Arbeiten führten ihn auch mehrfach ins Ausland, etwa zu Festivals in Strasbourg und Miryang/Südkorea, nach Osaka, Athen und Helsinki. Einen Schwerpunkt seiner Arbeit bilden Uraufführungen und Stückentwicklungen im Schauspiel und auch im Musiktheater. Am DNT inszenierte er bereits 2003 Heiner Müllers »Quartett«. Als Hausregisseur führt er in dieser Spielzeit außerdem Regie bei »Schwarze Bären«.

 

Enrico Stolzenburg (Regie)
Katrin Hieronimus (Bühne und Kostüme)
Kirsten Reese (Klanggestaltung)
Julie Paucker (Dramaturgie)

Besetzung

Ingolf Müller-Beck (Rüdiger Stolzenburg)
Bernd Lange (Frieder Schlösser)
Sebastian Nakajew (Klemens Gaede)
Nadja Robiné (Patrizia)
Tobias Schormann (Sebastian Hollert)
Anna Windmüller (Marion)
(Daphne Auer, Helena Hanneder, Cora Kneisz, Madleen Singer / D.A.S. Jugendtheater e.V. im stellwerk)
(Helene Engler, Florentine Heidel, Sophia Reiser / Statisterie des DNT)