23 | 10 | 17

Spielplan

ccn weimarhalle

Termine

Anfahrt

Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy

3. Sinfoniekonzert 2013/14 //

Felix Mendelssohn Bartholdy „Paulus“. Oratorium nach Worten der Heiligen Schrift op. 36

Dirigent: Helmut Rilling
Solisten: Letizia Scherrer (Sopran), Klaudia Zeiner (Alt), Dominik Wortig (Tenor), Markus Butter (Bass) MDR Rundfunkchor

 

In einem Brief an seinen Freund Eduard Devrient berichtet Felix Mendelssohn-Bartholdy 1832: »Ich soll für den Cäcilienverein ein Oratorium machen … Der Gegenstand soll der Apostel Paulus sein, im ersten Theil: Die Steinigung Stephani und die Verfolgung, im zweiten Theil: die Bekehrung, im dritten das christliche Leben und Predigen und entweder der Märtyrertod, oder der Abschied von der Gemeinde.«

Dieser inhaltliche Rahmen beflügelte den gerade 27-jährigen Komponisten zu einer eindrucksvollen musikalischen Gestaltung, für die die Komprimierung auf letztlich ›nur‹ zwei große Abschnitte im Sinne der Konsequenz der Geschichte einen zusätzlichen Pluspunkt bedeutete. Äußerst geschickt verband Mendelssohn barocke Tradition mit innovativen Tendenzen, ließ romantische Gefühlswärme und rückwärtsgewandte Formstrenge zu einem ganz eigenen, durchaus auch eigenartigen Klangcharakter verschmelzen. Wie bei Bach, den er über alles bewunderte, spielt der Choral als roter Faden, als Moment der Verinnerlichung eine besondere Rolle, und das berühmte »Wachet auf, ruft uns die Stimme« erklingt als Kernbotschaft des »Paulus« gleich mehrfach. Für die Zeitgenossen eher irritierend, da allzu historisierend – für Mendelssohn eine Frage der Ehrerbietung!

Die erzählende Kraft und die feine Charakterzeichnung seiner Musik sind auffällig: etwa der schlichte Duktus bei den Heiden, die erstaunliche Breite kompositorischer Details dagegen in den Chören der Juden, die dramatischen Rezitative im scharfen Kontrast zu geschliffenen lyrischen Formen. Das Orchester tritt dabei mit mal kammermusikalischer Feinzeichnung, mal packenden Tutti nicht weniger als Erzähler der Handlung auf als Chor und Solisten. So entfaltet sich der »Paulus« als Werk mit rundum individueller Klangsprache – als Selbstfindung des romantischen Oratoriums in Person eines begeisterten Bach-Apologeten.