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Werke von Richard Strauss und der Strauß-Familie

Silvesterkonzert 2013 //

Richard Strauss „Schlagobers“ op. 70. Heiteres Wiener Ballett in zwei Aufzügen
Walzer und andere Werke von Johann und Josef Strauß

Stefan Solyom (Dirigent)

Der Auftakt zum Strauss-Jahr wird einfach sahnig! Denn mit der Ballettmusik zu »Schlagobers«, die 1924 an der Wiener Staatsoper als Vorfeier zu Strauss’ 60. Geburtstag ihre Uraufführung erlebte, gratuliert die Staatskapelle Weimar ihrem einstigen Kapellmeister zum Hunderfünfzigsten.

Komponiert hat Strauss den im doppelten Sinne geistreichen Tanzreigen als Geschenk für die Stadt Wien – und was wäre da charakteristischer als ein Kaffeehaus als Kulisse! Dort erfreuen sich einige Kinder so ausgiebig an Marzipan, Pralinen und Zwetschgenmännern, dass eines von ihnen zu halluzinieren beginnt und die Leckereien vor seinen Augen lebendig werden. So tanzt Prinzessin Teeblüte mit dem Prinzen Kaffee, der Holländer Kakao wird von Don Zuckero umworben, und als der Zuckerbäcker sich als gewiefter Schaumschläger entpuppt, schwappt über den Schüsselrand ein ganzes Walzerfinale. Auftritt Prinzessin Praliné im Prunkwagen, gefolgt vom Ballett der Knallbonbons und dem Tanz der feinen Liköre. Und hier wird es politisch! Denn ursprünglich sollte die französische Marianne einer Champagnerflasche entsteigen und einen Versöhnungstanz mit einem gewissen Michel Schnapps aufs Parkett legen.

Tatsächlich ist das Ganze eine lebensfrohe Apotheose Wienerischer Gemütlichkeit, ein Ballett mehr für die Füße als für den Kopf. Die Musik jedoch blitzt nur so vor Kostbarkeiten: exotisch gewürzte Tänze in sattem Orchesterglanz lösen folkloristische Miniaturen ab, tristansche Seitenhiebe folgen, wenn der Knabe sich vor Bauchschmerzen windet – und dann natürlich Walzer, Walzer, Walzer! Ein Strauss’scher Sündenfall? Publikum und Presse jedenfalls hatten in Zeiten der Hyperinflation wenig Sinn für derartige Völlereien. Strauss jedoch gestand, die Tragödie der Gegenwart nicht mehr ertragen zu können. »Meine Musik soll Freude machen!« Und wo das, wenn nicht an Festtagen und auf der Theaterbühne!