24 | 07 | 17

Staatskapelle Weimar

Liebes Publikum,

ich freue mich, Sie in dieser Spielzeit als neuer Generalmusikdirektor des Deutschen Nationaltheaters und der Staatskapelle Weimar begrüßen zu dürfen. Die lange Tradition dieses Orchesters und die Geschichte dieser Stadt stellen mich vor ganz besondere Herausforderungen bei der Konzeption der Spielzeit: Es gibt einen gewachsenen Klang, eine Geschichte, die man beachten und annehmen muss. Gleichzeitig ist es meine Aufgabe als neuer musikalischer Leiter, dem Bewährten etwas Neues hinzuzu­fügen, damit das Orchester, das Publikum und ich gemeinsam Geschichte weiterschreiben können – denn ein reger Austausch ist ein grundlegendes Element beim Musizieren. 

Als wir uns an das Programm der kommenden Spielzeit gesetzt haben, gab es zwei grundlegende Fragen, die mich geleitet haben. Die Frage danach, was bereits vorhanden ist, wovon ich persönlich profitieren kann, und die Frage danach, was ich mitbringe.

Mein eigenes Leben gleicht bisher einer Reise von Ost nach West, auf der mich verschiedene musikalische Traditionen begleitet haben. Diese möchte ich einbringen und sie mit dem Vorhandenen in Dialog treten lassen.

Wer sich selbst und andre kennt 
Wird auch hier erkennen 
Orient und Okzident 
sind nicht mehr zu trennen. 

Dieses Zitat aus Johann Wolfgang ­Goethes »West-Östlichem Divan« ziert auch das Hafis-Goethe-Denkmal mit seinen beiden steinernen Stühlen in west-östlicher Ausrichtung am Weimarer Beet­hovenplatz. Es ist Sinnbild für den Austausch und die Kommunikation zwischen den Kulturen. Und so überschreiben auch wir die Spielzeit mit dem ­Titel »Orient und Okzident«. Wir wollen die in Weimar vorhandene große romantische Tradition mit fernöstlichen Klängen ­mischen, wie schon Franz Liszt es begonnen hat. Wir schauen, welche Klangvorstellungen der Franzose Maurice Ravel und der Russe Nikolai Rimsky-Korsakow vom Orient hatten. Wir hören eine Sinfonie des armenischen Komponisten Awet Terterjan, neben Wolfgang Amadeus ­Mozarts ­Violinkonzert. Und wir freuen uns ganz ­besonders, dass uns zwei Ausnahmekünstler der Gegenwart in den nächsten zwei Spielzeiten auf dieser Entdeckungsreise begleiten werden: die junge georgische Pianistin Khatia Buniatishvili und der polnische Komponist und Dirigent ­Krzysztof Penderecki.

Ich freue mich auf diese gemeinsame Spielzeit mit Ihnen.

Ihr Generalmusikdirektor

Kirill Karabits