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Feridun Zaimoglu – Über das Heilige im Alltag. Eine Spurensuche.

Weimarer Reden 2017 //

Wo begegnen wir in unserem Alltag Dingen, die wir als ›heilig‹ bezeichnen? Und sind Alltag und Heiligkeit nicht Begriffe, die einander widersprechen oder  sogar ausschließen? Feridun Zaimoglu nimmt uns mit auf eine poetisch-literarische Spurensuche.

1964 im anatolischen Bolu geboren, verbrachte Feridun Zaimoglu die ersten zwei Jahrzehnte seines Lebens in München, Berlin und Bonn, bevor er 1985 nach Kiel kam, um dort Kunst und Human­medizin zu studieren. Die Türkei ist das Heimatland seiner Eltern. Für ihn ist es jedoch Deutschland – und seine Heimatstadt ist Kiel. Neben seinen preisgekrönten Büchern (u.a. »Leyla«, »Liebesbrand« und zuletzt »Siebentürmeviertel«) verfasste er Theaterstücke und Drehbücher, ist bildender Künstler und Kurator und engagiert sich in den politischen Debatten unserer Zeit.

Als freier Journalist schreibt er u.a. für »Die Welt«, »Die Zeit« und die »FAZ«. 1997 wurde sein Debütroman »Kanak Sprak« veröffentlicht. Feridun Zaimoglu erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Preis der Jury beim Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt, den Corine-Preis und zuletzt den Preis der Literaturhäuser und den Berliner Literaturpreis (2016).

Seit 2011 widmet er sich wieder intensiv der Malerei. Seitdem wurden seine Werke in Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt. Im März 2017 wird seine Luther-Biografie »Evangelio. Ein Luther-Roman« erscheinen.

 

 


 

Weimarer Reden 2017

Was ist uns heilig?

»Nun sag, wie hast du‘s mit der Religion?«, fragt Margarete in Goethes »Faust« und stellt damit die sogenannte Gretchen-Frage. Faust gibt eine komplexe Antwort darauf, die sich einfacher Eindeutigkeit entzieht. Und wie halten wir, jeder einzelne von uns, es heute mit der Religion, besser gefragt mit den Religionen? Oder, um noch einen Schritt weiter zu gehen, woran glauben wir? 

In unserer säkularisierten Gesellschaft könnte man die Frage nach der Religion in die viel Grundsätzlichere nach dem, was uns heilig ist, umwandeln: Glauben wir überhaupt noch? Oder sogar zuviel? Und woran? An einen Gott? Und wenn ja, an welchen? Oder eher an bestimmte ethische Werte, an die Individualität oder eher an die Schwarmintelligenz? 

Glauben war nie nur an Religionen allein gebunden. Er prägte immer auch die verschiedensten Bereiche: Wissenschaften, Kunst, Philosophie, Ökonomie. Und auch heute sind unsere politischen Überzeugungen oft mehr von Glauben geprägt als von Wissen. Entsprechend steht es auch um unsere Handlungen: der Glaube an Personen, Meinungen, Werte steuert uns durch unseren Alltag, und gibt uns das Gefühl zu wissen, dass das, was wir tun, richtig ist. Nicht umsonst wurde ›postfaktisch‹ zum Wort des Jahres 2016 gekürt.

Was ist überhaupt Glauben? Die ewige Suche nach einer höheren Idee, die Fähigkeit zu vertrauen und aus diesem Vetrauen heraus zu bewerten oder einfach nur eine anthropologische Grundstruktur im Sinne von ›irgendwas glaubt jeder‹? Ist Glauben naiv, ein Anzeichen von Unaufgeklärtheit – oder ist er die einzige Möglichkeit sich in einer differenzierenden Welt zu orientieren? Wie auch immer sich unser persönliches Glaubensempfinden gestaltet, können wir uns der Brisanz und Notwendigkeit dieser neuen Gretchen-Frage nicht entziehen. Nach Antwort verlangt aber auch die alte Frage, die nach der Religion, nach Gott, die uns als Gesellschaft weiterhin beschäftigen wird.

Diesen und anderen ›Glaubensfragen‹ stellen sich unsere diesjährigen Redner und Rednerinnen. Feridun Zaimoglu, Manfred Lütz und Elisa Klapheck sind in ihrer Arbeit auf unterschiedlichste Weise mit dem Thema des Glaubens konfrontiert. Aus ihren beruflichen und religiösen Kontexten werfen sie für uns einen persön­lichen Blick darauf, was uns/ihnen heilig ist.

 

Feridun Zaimoglu  
Über das Heilige im Alltag. Eine Spurensuche.
05.03.2017, 11 Uhr, Großes Haus

Manfred Lütz  
Die Werte, die Wahrheit und das Glück
12.03.2017, 11 Uhr, Großes Haus

Elisa Klapheck  
​Judentum als politische Herausforderung
19.03.2017, 11 Uhr, Großes Haus