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Gerald Hüther: »Etwas mehr Hirn, bitte. Weshalb wir unsere Potenziale nur spielerisch entfalten können.«

Weimarer Reden 2015  //

Unsere Alltagswelt ist vollständig von Spielen durchdrungen: Virtuelle Welten auf Computer und Smartphone begleiten uns auf Schritt und Tritt. Spiel- und Quiz-Shows im Fernsehen, Zockerei, Wettkampf und Glücksspiel oder die Euphorie für Olympia und Fußball sind Alltagsphänomene unserer Gesellschaft – ebenso wie riskante Börsen-Spekulation, militärische Drohgebärden und politisches Wettrüsten. Wir leben in einer Welt der Spieler. Aber wer gibt die Spielregeln vor, wann wird das Spiel zur Gefahr – und sind wir selbst am Ende Gewinner oder Verlierer?

Keine Gesellschaft zuvor lebte in so großer Freiheit wie wir heute. Die globalisierte Welt suggeriert uns, alle nur erdenklichen Chancen und Möglichkeiten zu haben. Aber wie groß sind unsere Spielräume tatsächlich? Wie viel Platz ist in unserer auf Effektivität eingestellten Gesellschaft für Kreativität, Selbstversuch und Scheitern? Erst im spielerischen Austesten und Probieren kann der Mensch seine Potenziale entwickeln und Grenzen des Denkens überwinden – frei nach Schillers berühmter Aussage, der Mensch sei »nur da ganz Mensch, wo er spielt«. Wenn Demokratie auf die Teilhabe mündiger Bürgerinnen und Bürger setzt, müssen wir uns fragen, wie viele Freiräume wir uns künftig leisten wollen, welche Spiele wir zulassen und welche wir reglementieren müssen.

Vier Redenbeiträge stellen an den März-Sonntagen jeweils ihre Perspektive auf das Phänomen »Spielen« vor – und beleuchten seine Chancen und Risiken: Der Neurobiologe und Hirnforscher Gerald Hüther eröffnet die diesjährigen Weimarer Reden am 8.3. mit einem Plädoyer für mehr kognitive Spielerfahrungen. Der Politologe Michael Zürn spricht am 15.3. über Spieltheorie im Geflecht von Wirtschaft und Demokratie. Am 22.3. beleuchtet die Medien- und Kulturwissenschaftlerin Natascha Adamowsky virtuelle Spielwelten. Und am 29.3. schließt der Literatur- und Sozialwissenschaftler Klaus Theweleit die Reihe mit einer Rede über Männlichkeit und Fußball-Kultur.

Die Weimarer Reden sind seit 1994 ein Gemeinschaftsprojekt der Stadt Weimar und des DNT. Moderiert werden die Gespräche auch in diesem Jahr von der Journalistin Liane von Billerbeck.

 

Sonntag, 8.3.2015, 11 Uhr im Großen Haus

Etwas mehr Hirn, bitte. Weshalb wir unsere Potenziale nur spielerisch entfalten können

Gerald Hüther (Neurobiologe und Hirnforscher)

 

Begrüßung: Stefan Wolf, Weimarer Oberbürgermeister
Moderation: Liane von Billerbeck

 

Gerald Hüther (geboren 1951) studierte Biologie in Leipzig und promovierte 1977. Bis 1978 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Jena. Nach seiner Flucht aus der DDR leitete er zwischen 1979 und 1989 das Forschungs­projekt »Entwicklungsneurobiologie« am Max-Planck-Institut für experimentelle Medizin in Göttingen. 

1988 habilitierte Hüther im Fachbereich Medizin, seitdem ist er Professor für Neurobiologie an der Universität Göttingen. Von 1990 bis 1995 war er Stipendiat im Heisenberg-Programm der DFG und arbeitete in diesem Rahmen in der Abteilung für neurobiologische Grundlagenforschung an der Psychiatrischen Klinik in Göttingen. Gerald Hüther zählt heute zu den bekanntesten Hirnforschern Deutschlands. Wissenschaftlich befasst er sich mit dem Einfluss früher Erfahrungen auf die Hirnentwicklung, mit den Auswirkungen von Angst und Stress und der Bedeutung emotionaler Reaktionen. Er ist Autor zahlreicher Publikationen auf dem Gebiet der experi­mentellen Neurobiologie.

 


 

8.3.2015 / 11 Uhr / Großes Haus
Etwas mehr Hirn, bitte. Weshalb wir unsere Potenziale nur spielerisch entfalten können
Gerald Hüther (Neurobiologe und Hirnforscher)

 

 

15.3.2015 / 11 Uhr / Großes Haus
Ist die Politik ein Spiel? Nutzen und Elend der Spieltheorie in den Sozialwissenschaften
Michael Zürn (Politologe und Spieltheoretiker)

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22.3.2015 / 11 Uhr / Großes Haus
»In bunten Bildern wenig Klarheit, Viel Irrthum und ein Fünkchen Wahrheit«. Über die schwierige Beziehung der Moderne zum Spiel
Natascha Adamowsky (Kultur- und Medienwissenschaftlerin)

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29.3.2015 / 11 Uhr / Großes Haus
»Das All im Ball« Mit Wörtern spielen, mit Bällen spielen, Krieg spielen! Fußball – Extreme
Klaus Theweleit (Literatur- und Sozialwissenschaftler)

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Liane von Billerbeck (Moderatorin)

Liane von Billerbeck studierte Journalistik in Leipzig, war Kultur­redakteurin bei der Neuen Berliner Illustrierten (NBI) und arbeitet seit 1991 als freie Journalistin und Gerichtsreporterin. Es entstanden Beiträge u.a. für Spiegel, Stern, Die Zeit, taz, Berliner Zeitung und GEO. Zudem arbeitet Liane von Billerbeck als Hörfunk- und Fernsehmoderatorin: Sie moderierte das ORB-Politmagazin Klartext und war Kommentatorin für die ARD Tagesthemen. 2001 ging sie nach Hamburg als Politikredakteurin für Die Zeit. 

Seit 2003 ist sie Autorin und Kolumnistin für WDR5, seit 2005 auch Moderatorin bei Deutschlandradio Kultur. Im Ch. Links Verlag erschienen u.a. ihre Bücher »Satanskinder. Der Mordfall Sandro B.« (1995), »Generation Ost« (1999) oder »Scientology. Wie der Sektenkonzern die Welt erobern will« (2008, gemeinsam mit Frank Nordhausen).

 

 

 

 

Medienpartner sind die Thüringische Landeszeitung und der mdr Thüringen
Als Hauptsponsor unterstützen die Stadtwerke Weimar sowie die Thüringer Netkom die Weimarer Reden.