22 | 11 | 17

staatskapelle

Liebes Publikum,

hatten wir in der vergangenen Spielzeit den Blick Richtung Osten gewendet, so wollen wir uns in der kommenden Spielzeit den farbenreichen Klangwelten Frankreichs widmen. Die musikalischen Verbindungen zwischen Weimar und Frankreich sind schließlich mannigfaltig: So war Paris Ausgangspunkt der künstlerischen Karriere Franz Liszts, bevor er sich in Weimar niederließ. Und mit Liszt hatte Weimar dann einen Hofkapellmeister, der als Dirigent wie als Mäzen und Pädagoge andere Komponisten – nicht zuletzt die französischen Kollegen – unterstützte. Einer seiner Favoriten war Hector Berlioz, der mehrfach nach Weimar kam, um seine Werke aufzuführen, und Camille Saint-Saëns' Oper »Samson et Dalila« erblickte hier sogar erstmals das Licht der Bühne.

Für die Staatskapelle Weimar, deren Kernrepertoire ohne Zweifel das deutsche, romantische ist, gilt es, sich auch auf weniger Gewohntes einzulassen, flexibel zu bleiben und Augen wie Ohren über den Horizont hinaus zu lenken. Denn während etwa Richard Strauss eine besondere Klarheit und Präzision des Spiels fordert, stehen bei französischer Musik eher Leichtigkeit, Poesie und das spontane Entstehenlassen von Klangfarben im Mittelpunkt. Da muss man loslassen und zugleich zuhören können – ein Musizierstil, der großes Vertrauen voraussetzt und mich wie die Musiker gleichermaßen fordert.

Die beiden französischen Dirigenten Fabien Gabel und Bertrand de Billy haben schillernde Programme aus ihrer Heimat in die Spielzeit eingebracht. Marek Janowski, der seit vielen Jahren in Paris lebt, wird sich – Kontrast oder Koinzidenz? – in gleich zwei Konzerten ausgiebig mit großen Werken Beethovens beschäftigen. Mir selbst liegt unter den vielen spannenden Programmen zudem besonders die Aufführung des 4. Klavierkonzerts der russischen Komponistenlegende Rodion Schtschedrin am Herzen, der im kommenden Jahr seinen 85. Geburtstag feiert.

Im Rahmen von Gastspielen und Tourneen werden die Staatskapelle und ich in unserer zweiten gemeinsamen Spielzeit reichlich Gelegenheit haben, uns noch besser kennenzulernen. Highlight ist dabei natürlich die vierwöchige USA-Tournee im Frühjahr 2018, wo wir 17 Konzerte mit drei verschiedenen Programmen spielen.

Schließlich freue ich mich, Ihnen auch 2017/18 wieder zwei herausragende Künstler aus meiner ukrainischen Heimat vorstellen zu können: den Ausnahmegeiger Valeriy Sokolov als Artist in Residence sowie Valentin Silvestrov als Composer in Residence, dessen neues Violinkonzert im 5. Sinfoniekonzert seine Uraufführung erlebt.

Reisen Sie mit uns durch die faszinierende Welt der Epochen, Stile und Klangfarben; spitzen Sie mit uns die Ohren und bleiben Sie neugierig. Es lohnt sich garantiert!

Ihr
Kirill Karabits