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Staatskapelle Weimar

Liebes Publikum,

unsere Spielzeit 2018/2019 steht ganz im Zeichen unseres Spielzeitmottos »Neuer Mensch« und der beiden großen Jubiläen im Frühjahr 2019. 100 Jahre ist es her, dass eine Kunstschule, das Bauhaus, gegründet wurde. 100 Jahre ist es her, dass Weimar zum Zentrum der deutschen Politik wurde und hier die Nationalversammlung tagte. Die Welt stand nach dem Ersten Weltkrieg und den Wirren revolutionärer Erhebungen vor einem Umbruch und das Bauhaus und die Nationalversammlung setzten Zeichen, das gesellschaftliche Zusammenleben im Sinne eines »Neuen Menschen« mit künstlerischen und politischen Mitteln grundlegend zu erneuern.

Auch die Komponisten der Zeit waren auf der Suche nach einem ›Neuen Klang‹, der die Grenzen des bisherigen überwinden und auf den Menschen einwirken sollte. Doch die musikalische Avantgarde der Zeit ist nicht als ein einheitliches Phänomen zu fassen, das sich an einem einzigen Entwicklungsstrang festmachen lässt. Ganz unterschiedlich waren die Lösungen, die die Komponisten anboten. Während Paul Hindemith, begeistert von Christian Morgensterns Lautpoesie, seine »Lustige Sinfonietta« dem grausigen Kriegstreiben des Ersten Weltkrieges entgegensetzen wollte, wartete Richard Strauss bis nach dem Krieg, bis er seine ›Oper aller Opern‹, die »Frau ohne Schatten«, endlich uraufführen und das Publikum in eine zauberhafte Märchenwelt entführen konnte. Auch Franz Schreker lotete zwar die Grenzen der Harmonik aus, war aber doch noch ganz dem spätromantischen Orchesterklang verpflichtet.

Strawinsky legte sein Augenmerk auf die Körperlichkeit des Balletts und komponierte Ballettmusiken, die an erdiger Sinnlichkeit kaum zu überbieten sind, und provozierte so die Empörung des Publikums. Schließlich noch Kurt Weill, der es schaffte in seinen Liedern unterschiedlichste Musikstile zu vereinen, und der Bühnenwerke schuf, die populär waren – und es bis heute sind. Sie sehen, es gibt viel zu entdecken in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Doch auch aus dem ›Silbernen Zeitalter‹, in dem Weimar die Hochburg musikalischen Avantgarde war, ist das Repertoire noch lange nicht ausgespielt. Ich freue mich ganz besonders, Ihnen zwei Wiederentdeckungen unseres ehemaligen Kapellmeisters Franz Liszt ankündigen zu können. Das ist zum einen die unvollendete Oper »Sardanapalo«, die der Musikwissenschaftler David Trippett von der Cambridge University aus dem Goethe- und Schiller-Archiv geholt, entziffert und aufbereitet hat. Wir werden diese Spielzeit mit der konzertanten Uraufführung des 1. Akts eröffnen. Und da auch Franz Liszt schon Jubiläen liebte, haben wir aus Budapest das Manuskript des Orchesterwerks »Vor 100 Jahren« zurück an die Ilm kommen lassen, das er hier zum 100. Geburtstag Friedrich Schillers komponierte.

Weiterhin möchten wir Ihnen in dieser Spielzeit durch die Präsentation eines »Composer in Residence« erneut die Möglichkeit geben, noch nie zuvor erklungene, zeitgenössische Musik zu erleben. Wir haben bei dem britischen Komponisten Mark-Anthony Turnage ein Werk in Auftrag gegeben, das mit dem Titel »Testament« in unserem 4. Sinfoniekonzert aus der Taufe gehoben wird.

Ich freue mich auf diese Spielzeit voller Feierlichkeiten und auf den regen Kontakt und Austausch mit Ihnen.

Ihr Generalmusikdirektor

Kirill Karabits