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Das DNT

Die Geschichte des DNT

 

Der folgende Text ist ein Auszug aus  »Licht und Schatten – Kleine Geschichte des DNT und der Staatskapelle Weimar« (Weimar 2014), das Sie an der Theaterkasse für 3,50 € erwerben können (zusammengestellt von Nils Wendtland, 64 Seiten, mit zahlreichen Abbildungen, Chronik und Literaturhinweisen).
 

Das Weimarer Hoftheater unter Johann Wolfgang von Goethe

Bereits vor dem Bau des ersten Komödienhauses wurde in Weimar Theater gespielt: Komödiantentruppen traten regelmäßig auf Einladung der Herzöge am Weimarer Hof auf. 1696 ließ Herzog Wilhelm Ernst im Ilmflügel des Schlosses einen Opernsaal errichten, der jedoch 1774 einem Brand zum Opfer fiel. Die kunstliebende Herzogin Anna Amalia, Gattin des Herzogs von Weimar-Sachsen-Eisenach, gründete daraufhin ein Liebhabertheater, das einen Kreis adeliger und bürgerlicher Laien versammelte: Gespielt wurde an verschiedenen Orten, im Redoutenhaus, in den Schloss- und Naturbühnen von Ettersburg und in Tiefurt. Auch der 26-jährige Goethe, der seit 1775 in Weimar lebte, schloss sich dieser Liebhabergemeinschaft als Schauspieler, Dichter und Spielleiter an. 1791 beschloss Herzog Carl August, in dem 1779 erbauten Komödienhaus gegenüber dem Wittumspalais ein Hoftheater zu gründen. An dieser Stelle steht bis heute das DNT.

Goethe wurde die Leitung des Hoftheaters übertragen und er eröffnete es 1791 mit Ifflands Schauspiel »Die Jäger«. Goethe sorgte dafür, dass sich ein Schauspielensemble formieren konnte, das nach seinen »Regeln für Schauspieler« (1803) den Anforderungen der klassischen Dramen entsprach. Der ehemals anrüchige Ruf der Schauspielkunst wich einer hohen Wertschätzung und gesellschaftlichen Anerkennung der Schauspieler als Künstlerpersönlichkeiten.

1798 wurde das Hoftheater auf Goethes Betreiben in ein repräsentatives Theater mit Galerien, Säulen und Balkonen umgewandelt und auf 1.000 Sitzplätze vergrößert. Von 1799 bis 1805, dem Todesjahr Schillers, wirkten Goethe und Schiller, der inzwischen von Jena nach Weimar übersiedelt war, gemeinsam an der Weimarer Bühne. Schiller inszenierte seine Stücke selbst. Die Uraufführungen der drei Teile des »Wallenstein« (1798/99) begründeten Schillers Ruhm als Dramatiker. Bis auf die »Jungfrau von Orleans« wurden alle späten Dramen von Schiller in Weimar uraufgeführt. Das 1857 eingeweihte Denkmal von Ernst Rietschel symbolisiert das fruchtbare gemeinsame Wirken von Goethe und Schiller in Weimar und ist zum Wahrzeichen der Stadt geworden.

Im März 1825 brannte das Hoftheater ab, aber bereits im September desselben Jahres öffneten sich die Pforten eines neuen Theatergebäudes an derselben Stelle.

 

Die »Ära der Musik«: Hummel, Liszt und Strauss in Weimar

Maria Pawlowna, Gemahlin von Großherzog Carl Friedrich von Sachsen-Weimar-Eisenach, setzte sich seit 1804 insbesondere für das Musikleben in Weimar ein. Sie berief nach Goethes Rücktritt den europaweit gerühmten Mozartschüler und Klaviervirtuosen Johann Nepomuk Hummel als Kapellmeister nach Weimar, der dieses Amt bis zu seinem Tod 1837 ausübte. Die Werke von Mozart, Haydn und Beethoven bestimmten sein Konzertprogramm. Einer der musikalischen und gesellschaftlichen Höhepunkte im Weimarer Hoftheater unter Hummels Leitung war 1829 ein Konzert des berühmten italienischen Geigenvirtuosen Nicolo Paganini.

Hummel war ein Wegbereiter für das »Silberne Zeitalter der Tonkunst« in Weimar. Doch erst das Wirken von Franz Liszt begründete den Ruhm Weimars als Stadt der Musik. 1842 wurde Liszt Kapellmeister in außerordentlichen Diensten. 1848 übernahm er das Amt des Hofkapellmeisters. Er hatte die Absicht, die mit den Namen Goethe und Schiller assoziierte Ära der Literatur durch eine Ära der Musik abzulösen. Liszt selbst und der von ihm geschätzte Richard Wagner sollten für diese Erneuerung stehen. Die Oper »Lohengrin« des damals steckbrieflich gesuchten Dresdner Kapellmeisters Richard Wagner wurde unter dem Dirigat von Franz Liszt 1850 am Hoftheater uraufgeführt, ein Jahr, nachdem schon der »Tannhäuser« in Weimar zur Aufführung kam.

Unter dem 1857 berufenen Generalintendanten Franz von Dingelstedt gelangte auch das Schauspiel in Weimar wieder zu landesweiter Bedeutung. Vor allem Aufführungen der Werke von Franz Grillparzer, Johann Nepomuk Nestroy, Karl Gutzkow und Friedrich Hebbel lenkten immer wieder die Aufmerksamkeit nach Weimar. 1861 wurde hier Hebbels viel beachtete »Nibelungen«-Trilogie uraufgeführt.

1889 wurde Richard Strauss Kapellmeister in Weimar. Gemeinsam mit der Hofkapelle brachte er seine Tondichtungen »Don Juan«, »Macbeth« und »Tod und Verklärung« zur Uraufführung. Seine Oper »Guntram« erklang in Weimar 1894 zum ersten Mal. Großen Erfolg erzielte Strauss außerdem 1893 mit der Uraufführung von Humperdincks Märchenoper »Hänsel und Gretel«.

 

Der gescheiterte Traum vom avantgardistischen »Mustertheater«

Um 1900 wurde Nietzsches Schrift »Die Geburt der Tragödie aus dem Geist der Musik« (1878) zur Initialzündung für Überlegungen zu grundlegenden Theaterformen. Der Traum vom Gesamtkunstwerk bildete die Leitidee für ein »Festspiel« auf der Bühne. Festspielprojekte nach dem Bayreuther Vorbild sollten die Gewähr für eine nationale Erneuerung des Theaters werden. Von Harry Graf Kessler und Henry van de Velde stammten Pläne für ein »Mustertheater« als avantgardistische Alternative zum Hoftheater. Als Weimarer Festspiele konzipiert, sollten die besten deutschen Schauspieler in den drei Sommermonaten klassische und moderne Stücke aufführen. Man wollte in Weimar ein »Bayreuth für dramatische Literatur« schaffen. Der damalige Intendant des Hoftheaters Hippolyt von Vignau vereitelte mit Unterstützung konservativer Kräfte diesen Plan.

Da das fast 80 Jahre alte Gebäude des Weimarer Hoftheaters den Anforderungen nicht mehr genügte – sowohl was Größe als auch Bausubstanz und Technik betraf – wurde 1906 der Architekt Max Littmann damit beauftragt, ein neues Theatergebäude zu bauen. Der alte Bau wurde vollständig abgerissen und das Fundament des Neubaus mit über 1.800 hölzernen Stützpfeilern befestigt, auf denen das Gebäude auch heute noch ruht. Das neue Hoftheater fasste 1.080 Sitzplätze und war eines der modernsten seiner Zeit. Die Einweihung wurde am 11. Januar 1908 als feierlicher Staatsakt zelebriert, bei dem auch Kaiser Wilhelm II. und über 70 Intendanten anderer Theater anwesend waren.

 

Das Theater als politische Bühne

Künstlerisch machte das Hoftheater unter der Intendanz von Carl von Schirach (1909 –1918), der auf einen klassisch orientierten Spielplan setzte, wenig von sich reden. Gleichwohl wurde das Hoftheater zu einer Kultstätte des konservativen Bildungsbürgertums. Mit der Ausrufung der Republik und der Abdankung Kaiser Wilhelm II. wurde auch Carl von Schirach abgesetzt. Die provisorische Landesregierung berief am 1. Januar 1919 den Schriftsteller Ernst Hardt zum neuen Intendanten. Das Hoftheater wurde in »Landestheater« umbenannt und die Hofkapelle hieß nun »Weimarische Staatskapelle«. Bereits am 19. Januar, dem Tag der Wahlen zur verfassungsgebenden Nationalversammlung, verkündete Hardt die erneute Umbenennung des Theaters, das fortan »Deutsches Nationaltheater in Weimar« heißen sollte.

Zwei Tage später wurde öffentlich bekannt gegeben, dass die Nationalversammlung vom 6. Februar bis zum 21. August 1919 in Weimar tagen würde. Zu diesem Zweck wurde der Zuschauerraum zum Plenarsaal umgebaut. Am 31. Juli 1919 stimmten dort die Delegierten der ersten demokratischen Verfassung Deutschlands in ihrer endgültigen Form zu.

 

Das DNT Während der NS-Zeit

Mit Unterstützung der konservativen Landesregierung veranstalteten die Nationalsozialisten schon seit 1924 regelmäßig Parteiversammlungen in Weimar. 1926 wurde im Theater der erste Reichsparteitag der NSDAP nach Aufhebung des Verbotes abgehalten. Der Generalintendant Ernst Hardt verließ das Theater 1924, nachdem es von völkisch-nationaler Seite heftige und diffamierende Proteste gegen seine Aufführungen gegeben hatte. Auch sein Nachfolger Franz Ulbrich versuchte zunächst noch, trotz Zensurdrohungen und Forderungen nach »Säuberungen« des Weimarer Theaterspielplans, Gegenwartsautoren wie Ernst Toller, Carl Sternheim u.a. weiter zu spielen. Er ging jedoch zunehmend Kompromisse mit den Nationalsozialisten ein, die ab 1930 an der Landesregierung beteiligt waren und ein »judenfreies Theater« forderten. Ab 1933 übernahm mit Ernst Nobbe ein NSDAP-Mitglied die Intendanz, 1936 gefolgt von Hans Severus Ziegler, der u.a. den Erlass »Wider die Negerkultur für deutsches Volkstum« mitinitiiert hatte.

In der Zeit der NS-Herrschaft wurde hauptsächlich ein klassisches Repertoire gespielt, wobei vor allem die Dramatik Schillers in eine nationalsozialistische Perspektive gerückt wurde. Hitler wollte das Weimarer Theater zu einer der führenden Bühnen des Deutschen Reiches ausbauen und unterstützte das DNT jährlich auch mit privaten Geldmitteln. Der 1939/40 vorgenommene Umbau des Zuschauersaals und die Sanierung der Bühnentechnik verschlangen eine Summe von über 800.000 Reichsmark, für deren Beschaffung sich Hitler persönlich einsetzte. Dass während der Kriegsjahre eine solche Summe zusammen kam, verdeutlicht den damals besonderen Stellenwert des DNT. Das Theater spielte auch zur Unterhaltung der SS-Angehörigen im Casino des Konzentrationslagers Buchenwald. Während Franz Lehárs »Das Land des Lächelns« im DNT zur Aufführung kam, war Fritz Löhner-Beda, der jüdische Librettist dieser Operette, nur wenige Kilometer entfernt in Buchenwald inhaftiert. Sein Name wurde im Programmheft verschwiegen.

Im Herbst 1944 wurden alle Theater in Deutschland geschlossen. Das DNT wurde als Produktionsstätte an die Firma Siemens & Halske vermietet. Ein amerikanischer Bombenangriff legte am 9. Februar 1945 das Theater bis auf die Fassade und das Foyer in Schutt und Asche. Das Weimarer Theater wurde aber bezeichnender Weise als erstes deutsches Theater nach dem Krieg wieder aufgebaut und 1948 mit Goethes »Faust« neu eröffnet.

1949 sprach Thomas Mann anlässlich der Verleihung des Goethe-Preises im DNT von der Hoffnung, dass »aus den Nöten dieser Übergangszeit ein neuer Humanismus hervorgehen möge«.

 

Vom sozialistischen Gesellschaftstheater bis zur GegenwarT

Zu DDR-Zeiten sollte das Weimarer Theater und insbesondere das Schauspiel »von der sozialistischen Gesellschaftspraxis als dem geistigen Maßstab der Menschheitsentwicklung« Zeugnis ablegen. In den fünfziger Jahren kamen unter der Generalintendanz von Karl Kayser (1950-1958), der auch Mitglied des Zentralkomitees war, überwiegend sowjetische Revolutionsdramen auf den Spielplan. Aus allen Teilen Thüringens brachte man Besuchergruppen per Bus und Bahn zum Theater – wie es auch schon in der Vorkriegszeit üblich war. Zu Schillers 200. Geburtstag wurden die »Schiller-Festspiele der deutschen Jugend« am DNT veranstaltet – die man dann als »Theatertage der FDJ« jährlich weiterführte. Allerdings gab es schon damals harsche Kritik an der agitatorischen und plakativen Interpretation der Klassiker, wie sie von Kayser zur Umsetzung der Beschlüsse der SED forciert wurde. Unter den Intendanten Otto Lang (1958–1973) und Gert Beinemann (1973–1987) standen Werke von DDR-Komponisten und -Autoren (z.B. Ottmar Gerster, Johannes R. Becher, Bertolt Brecht, Volker Braun, Peter Hacks), aber auch Werke von Max Frisch (»Biedermann und die Brandstifter«, 1965) und Friedrich Dürrenmatt (»Besuch der alten Dame«, 1978) auf dem Programm. Das DNT blieb während der gesamten DDR-Zeit eine Stätte bedeutsamer Klassiker-Inszenierungen.

In den Jahren 1973 bis 1975 wurde das Theatergebäude umfassend saniert und umgebaut. Die heute existierende Gestalt des DNT, vor allem die des Zuschauerraumes, stammt aus dieser Zeit. Das DNT gehörte damals zu den technisch modernsten Theatern des Landes.

Mit Harry Kupfer (1966-1973) und seinem Nachfolger Erhard Warneke (1973-1999) hat das DNT zwei außerordentlich erfolgreiche Operndirektoren vorzuweisen, die sich besonders für ihr Engagement um das zeitgenössische Musiktheater internationale Anerkennung erwarben. Im Schauspiel sind vor allem die Gesamtinszenierungen beider Teile des »Faust« durch den seit 1960 am Haus wirkenden Regisseur Fritz Bennewitz hervorzuheben, der außerdem mit seinen Brecht-Inszenierungen für internationale Aufmerksamkeit sorgte.

Dem Intendanten Fritz Wendrich (1987-1994) folgte Günther Beelitz (1994-2000). Unter seiner Generalintendanz wurde das klassische Ballett durch zeitgenössisches Tanztheater (Chefchoreographen: Joachim Schlömer, später Ismael Ivo) abgelöst. Von 2000 bis 2012 war Stephan Märki Generalintendant des DNT. Eine geplante Fusion mit dem Theater Erfurt, die die Abschaffung der Sparte Musiktheater bedeutet hätte, konnte im Jahre 2002 mit großer Unterstützung der Weimarer Bevölkerung verhindert werden. Mit dem Übergang in eine gemeinnützige GmbH und den unter dem Namen »Weimarer Modell« vollzogenen Strukturreformen gelang es, die Eigenständigkeit des traditionsreichen Hauses als Drei-Sparten-Theater zu bewahren. Mit der Entscheidung, DNT und Staatskapelle Weimar zum 1. Januar 2008 zum Staatstheater Thüringen zu machen, wurde ein weiterer wichtiger Schritt zur Zukunftssicherung des Hauses vollzogen.

Das DNT und die Staatskapelle Weimar bieten in den Bereichen Oper, Schauspiel und Konzert ein breites Repertoire von klassischen bis zeitgenössischen Werken. Einladungen zu bedeutenden Theaterfestivals (u.a. Theatertreffen Berlin), Nominierungen und Preise, wichtige Uraufführungen, herausragende Großprojekte wie die Inszenierung des kompletten »Ring des Nibelungen« (2006-2008) und nationale wie internationale Koproduktionen zeugen von der gewachsenen künstlerischen Stellung des Hauses.

Zum Beginn der Spielzeit 2013/14 übernahm Hasko Weber die Generalintendanz des DNT. Seit Ende 2013 gehört das Kunstfest Weimar unter der künstlerischen Leitung von Christian Holtzhauer zum DNT.

 

Staatskapelle Weimar

Die Staatskapelle Weimar ist einer der traditionsreichsten Klangkörper der Welt und das älteste Orchester Deutschlands. Kurfürst Friedrich III. gründete 1491 eine Hofkapelle, deren Fortbestand im Verlauf der Jahrhunderte stets den Launen und Neigungen des jeweiligen Herrschers unterworfen war: Die Kapelle wurde mehrmals aufgelöst, aber auch immer wieder neu gegründet und über die Zeiten hinweg den Ansprüchen an Musik, Oper und Repräsentationswillen angepasst und stetig vergrößert. Erst 1602, als Herzog Johann III. seine damals 11 Musiker an die neue Hauptresidenz nach Weimar beorderte, fand das Orchester nach einem wechselhaften Wanderleben von Residenz zu Residenz endlich seinen festen Standort.

Unter der Erbgroßherzogin Maria Pawlowna wirkten ab dem 19. Jahrhundert bedeutende Persönlichkeiten, unter ihnen der Mozart-Schüler Johann Nepomuk Hummel, an der Spitze des Orchesters. Die große Rolle der Hofkapelle in und für Weimar belegt auch das Engagement von Franz Liszt als Hofkapellmeister (1848-1858), der in Weimar Uraufführungen zahlreicher zeitgenössischer Werke initiierte und 1849 Wagners »Tannhäuser« zur Aufführung brachte. Wagner betraute Liszt daraufhin mit der Uraufführung seines »Lohengrin«, der 1850 in Weimar erstmals über die Bühne ging.

Mit Richard Strauss, 1889 bis 1894 als 2. Kapellmeister in Weimar, traf ein bald darauf führender Dirigent und Komponist mit der Kapelle zusammen und verhalf ihr zu beachtlichem qualitativem Aufschwung. Strauss leitete in Weimar die Uraufführung seines Opernerstlings »Guntram« (1894) sowie die Uraufführung von Humperdincks »Hänsel und Gretel« (1893). Darüber hinaus erblickten auch seine Orchesterwerke »Don Juan«, »Macbeth« und »Tod und Verklärung« durch die Weimarer Hofkapelle erstmals das Licht der Bühne. 1919 wurde das Orchester zur »Weimarischen Staatskapelle« ernannt.

Die Machtergreifung der Nationalsozialisten setzte der positiven Entwicklung des 1919 in »Weimarische Staatskapelle« umbenannten Orchesters vorübergehend ein Ende. Ernst Praetorius, der seit 1924 Generalmusikdirektor war, erfuhr für sein Engagement für neue Musik heftige Anfeindungen und wurde öffentlich aufgefordert, sich von seiner jüdischen Frau zu trennen. 1933 löste die Theaterleitung schließlich seinen Vertrag in Weimar auf und er emigrierte nach Ankara, wo er die Leitung des dortigen Sinfonieorchesters übernahm. In den folgenden Jahren wurden zahlreiche jüdischstämmige Musiker und Solisten entlassen, kamen in Konzentrationslagern um oder nahmen sich das Leben.

Unter dem Generalmusikdirektor und Chefdirigenten Hermann Abendroth entwickelte sich nach 1945 in kurzer Zeit eine neu formierte Staatskapelle, die schnell wieder beachtliche Größe und Qualität erlangte und zu einem der führenden deutschen Klangkörper heranwuchs. Ab den 1980er Jahren waren die Dirigenten Peter Gülke, Oleg Caetani und Hans-Peter Frank prägend für das Orchester, das seit 1988 den Namen »Staatskapelle Weimar« trägt und nach 1990 auf nahezu 100 Musiker verstärkt wurde. Von 1996 bis 2002 wirkte der heutige Ehrendirigent George Alexander Albrecht als Chefdirigent und Generalmusikdirektor in Weimar. In seiner Nachfolge übernahmen ab 2002 der Niederländer Jac van Steen, ab 2005 der Amerikaner Carl St. Clair und ab 2009 der Schwede Stefan Solyom die Leitung des Orchesters.

Die Staatskapelle Weimar setzt heute auf die Kombination der bewussten Pflege ihrer großen Traditionen mit innovativen Aspekten und garantiert auf höchstem Niveau zudem die Fortführung der großen spätromantischen Operntradition am DNT Weimar. Zahlreiche CD-Einspielungen spiegeln das vielfältige, sich ständig erweiternde Repertoire von Mozart über Liszt, Wagner, Strauss und Furtwängler bis in die Moderne. International renommierte Solisten und Dirigenten zählen zu den regelmäßigen Gästen des weit über die Klassikerstadt hinaus viel gefragten Orchesters. Konzerte führten in den vergangenen Jahren u.a. nach Japan, Israel, Spanien, Italien, Großbritannien und Österreich sowie zu renommierten nationalen wie internationalen Festivals und in die großen Konzertsäle Deutschlands.

Ab Beginn der Spielzeit 2016/17 steht der ukrainische Dirigent Kirill Karabits als Generalmusikdirektor und Chefdirigent an der Spitze des einzigen A-Orchesters des Landes Thüringen.