© Candy Welz
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© Andreas Schlager
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  • Großes Haus
  • Premiere 07.10.2022
  • Stückdauer 1 Std. 50 Min.

Der Meister und Margarita

nach Michail Bulgakow // Deutsch von Thomas Reschke

Über Moskau dämmert der Frühlingsdunst, der den Blick schwer und die Sinne träge werden lässt. Doch es liegt was in der Luft. Ein Literaturredakteur gerät unter die Straßenbahn, ein Dichter landet in der Psychiatrie und im Varieté regnet es Geld von der Decke. Vom Vorsitzenden der Theaterkommission ist nur mehr der Anzug übrig. Der Direktor des Varietétheaters aber ist ganz und gar verschwunden. Was oder wer steckt dahinter? Etwa jener fremde Professor, der plötzlich samt illustrem Gefolge in der Stadt auftaucht, sich als Spezialist für Schwarze Magie ausgibt und behauptet, er habe Pontius Pilatus persönlich gekannt? Schnell ist man sich einig. Es muss sich um Kriminelle oder Spione handeln. Oder sind hier etwa Höllenmächte am Werk? Die Telefone laufen heiß.

Unterdessen trauert Margarita um ihren Geliebten, den Meister, der wie vom Erdboden verschwunden ist. Doch dieser hat sich freiwillig in eine psychiatrische Klinik begeben, nachdem sein Roman, der nicht zufällig die Geschichte eines gewissen Pontius Pilatus beschreibt, für nicht druckfähig erklärt wurde. Auch ahnt Margarita nicht, dass sich dort ein Gespräch zwischen einem weiteren kürzlich eingelieferten Dichter und dem vermissten Geliebten entspinnt. Margaritas und des Meisters Schicksal aber wird bald schon eine geradezu überirdische Wendung nehmen, die Traum und Wirklichkeit ununterscheidbar ineinander aufgehen lässt.

»Ich bin vernichtet«, schreibt Bulgakow 1930 und bittet die Regierung der UdSSR um die Ausreisegenehmigung für ihn und seine Frau. Er teilt das Los mit seiner Figur des Meisters auf erschütternde Weise. Bulgakows Roman »Meister und Margarita«, zwischen 1928 und seinem Tod im Jahr 1940 entstanden, erscheint erst 1966/67 in zensierter Form und erreicht daraufhin in kürzester Zeit Kultstatus. Trotz Überlagerung der Realgeschichte durch surrealistische Parodien entging den Lesenden keineswegs, welche Parallelen sich zwischen Romaninhalt und seiner Entstehungsphase auftaten. Geradezu prophetisch nahm Bulgakow die stalinistische Diktatur auf dem Weg zum »Großen Terror« und dessen grausame Folgen vorweg. Das Verschwinden von Menschen war real, das Gieren nach Begünstigung ebenso. In der Figur der Margarita aber setzt Bulgakow einen Kontrapunkt von geradezu erlösender Kraft. Es ist eine Emanzipationsgeschichte par excellence, die Margarita hinlegt, indem sie sich nicht nur gegen repressive Strukturen auflehnt, sondern – obzwar mit Hilfe einer magischen Salbe – auch die Grenzen der Schwerkraft und des Todes überwindet.

Mit ihrer Inszenierung von »Meister und Margarita« wird sich Luise Voigt erstmals als Regisseurin am Deutschen Nationaltheater und Staatskapelle Weimar vorstellen.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Minako Seki für den Einblick in die Welt des Butoh und ihre choreografische Mitarbeit.

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»Wie Luise Voigt den gerne ins Epische gezogenen Stoff in diese optische Täuschung einstürzender Altbauten hinein entkernt, ihn zu einem klugen, farbenfrohen, rasanten Geschichts-Comic umformt, ist spektakulär. (…) Der leichte, flapsige Umgang mit dem Romanstoff beschädigt ihn nicht, im Gegenteil, er wirkt wie eine Befreiung des Theaters aus der Diskursfalle, die auch in diesem Thema steckt. (…) Das ist, pathetisch gesagt, Kunst, die Denkräume öffnet, was diese Inszenierung – neben der rein formal außerordentlichen künstlerischen Qualität – auszeichnet. (…) Nicht zu vergessen das Ensemble auf der Bühne. Der Spaß am Spiel ist unübersehbar, die Verausgabung unüberhörbar. Atemlos tanzen und rennen und klettern sie durch den Hinterhof oder fliegen, wie Dascha Trautwein als Margarita, über die Stadt. Ohne den Boden zu verlassen. Dabei Bulgakows Texte sprechend. Großes Schauspiel!«

(nachtKritik.de, 8.10.2022, Matthias Schmidt)

Lesen Sie hier die ganze Rezension.

 

»Das energische Komödiantenensemble bereitet uns großes Vergnügen. Es greift zu Mitteln des Erzähltheaters, des Maskentheaters und des minimalistischen Tanztheaters mit Elementen des japanischen Butoh, worin sich von nackter Angst regierte Traumata ausdrücken. (W)o der Staat die Wahrheit pachtet, braucht es visionäre Gegenwelten. Bulgakow ließ sie den Erzähler seiner unglaublichen Geschichte als ›Autor dieser wahren Zeilen‹ erfinden. In Weimar fällt diese Rolle der Regisseurin Luise Voigt zu. Darin treiben Isabel Tetzner (Korowjew), Fabian Hagen (Katzenmensch Behemoth) und Annelie Korn (Hexe Gella) als Volands lustiges Trio Infernale derben Spaß, wickelt sich Dascha Trautweins Margarita aus dem psychosomatischen Korsett, taumelt Marcus Horns als neben sich stehender Meister auf eine utopische Idee von Freiheit zu.«

(Thüringer Allgemeine, 10.10.2022, Michael Helbing)

Sa 10.12.2022 // 19.30 Uhr

Karten

Do 22.12.2022 // 19.30 Uhr

Karten

Fr 27.01.2023 // 19.30 Uhr

Karten

So 05.03.2023 // 18.00 Uhr
Sa 08.04.2023 // 19.30 Uhr
Sa 20.05.2023 // 19.30 Uhr