Demonstration am 19. November 1989 auf dem Theaterplatz (Foto: Walter Steiner / Stadtarchiv Weimar)

So lautet das inzwischen zum geflügelten Wort avancierte Zitat aus der Rede Helmut Kohls anlässlich der Einführung der Währungs-, Wirtschafts und Sozialunion zwischen der Deutschen Demokratischen Republik und der Bundesrepublik Deutschland am 1. Juli 1990.

Es war ein Versprechen auf Zukunft, das aber die Frage ausblendete, ob das Leben im Ostteil des Landes sich für viele Menschen dort nicht vorher ebenso ›gelohnt‹ hatte. Auch deshalb, weil es – ausgehend von den Erfahrungen bis zum Herbst ‘89 – die vielleicht naive und nur kurz währende, aber immerhin formulierte Absicht gab, einen anderen utopischen Sozialismus zu verwirklichen. Also jenen oft in Zweifel gezogenen und doch immer wieder heraufbeschworenen ›dritten Weg‹ zu beschreiten, der eine sozial gerechte, demokratische, nicht auf Profit ausgerichtete Gesellschaft intendierte.

Die Verheißung der ›Blühenden Landschaften‹, mit der sich die Erfüllung aller bis dahin unrealisierbar scheinenden Träume verband, die Möglichkeit zu reisen, der Erwerb des eigenen Autos ohne gigantische Wartezeit, die materielle Verbesserung aller Lebensumstände – sie war für die meisten Menschen der DDR zu bestechend, als dass ein weiteres Experiment in Sachen Sozialismus eine Chance gehabt hätte.

Nun, 30 Jahre nach dem Fall der Mauer, taugen die ›Blühenden Landschaften‹ eher dafür, einen Widerspruch zu beschreiben. Denn wahrhaftig, die Landschaften in diesem Teil des Landes gedeihen, Naturschützer*innen haben ihre Freude daran, Tierarten kehren zurück, die Flüsse sind sauberer geworden, die Luft in den ehemaligen Chemieregionen kann man wieder atmen, die Städte sind restauriert und renoviert.

Aber genügt das, um das Leben in einer Gesellschaft als ›lebenswert‹ zu definieren? Dieser Fragestellung wollen wir mit verschiedenen Inszenierungen, Projekten, Vorträgen und Gesprächen nachgehen und herausfinden, in welchem Zustand sich das deutsch-deutsche Verhältnis in diesem 30. Jahr des Falls der innerdeutschen Grenze befindet. Ist dieses Land, sind wir, die Menschen, die darin leben, bereit, die eigene Geschichte, die vier Jahrzehnte lang verschiedene Verläufe aufwies, endlich als gleichberechtigt zu betrachten? Und sind wir, die jetzt Lebenden, in der Lage, für die nachfolgenden Generationen eine gemeinsame und zugleich in sich differenzierte Erzählung zu stiften? Wie würde diese beginnen?

Seien Sie herzlich eingeladen mit uns darüber nachzudenken!

PREMIEREN

 

Do 03.10.2019
IDENTITÄT EUROPA
Acht Monologe von acht Autor*innen aus acht Ländern · Uraufführung

 

Di 29.10.2019
FAMILIENFEST
Ein generationsübergreifendes Theaterprojekt · Uraufführung

 

So 10.11.2019
BRÜDER UND SCHWESTERN
Schauspiel nach dem Roman von Birk Meinhardt · Uraufführung

 

Sa 16.11.2019
OLDTIMER – ALS DER MAUERFALL, MEIN FORD FIESTA UND ICH 30 WURDEN
Theaterprojekt von Ulrike Günther und Isabel Tetzner · Uraufführung

 

Sa 23.11.2019
LANZELOT
Oper von Paul Dessau

 

Di 26.11.2019
PETTY EINWEG –
DIE FANTASTISCHE REISE EINER FLASCHE ANS ENDE DER WELT

Klassenzimmerstück von Jens Raschke · Uraufführung

 

Di 31.03.2020
JUNK / 7 MINUTEN
Schauspiel von Ayad Akhtar / Schauspiel von Stefano Massini

 

Do 30.04.2020
WEST SIDE STORY
Musical von Leonard Bernstein

Demonstration am 19. November 1989 auf dem Theaterplatz (Foto: Walter Steiner / Stadtarchiv München)

GESPRÄCHSFORMATE

versch. Termine, Foyer
BLÜHENDE LANDSCHAFTEN FÜR ALLE
Stammtischgespräche · Gesprächsreihe in Zusammenarbeit mit dem Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft Jena

 

So 27.10.2019, Foyer
UTOPIE ODER ANPASSUNG?
Podiumsdiskussion · Die Folgen der Umbrüche 1989 und der Wiedervereinigung für die ostdeutsche Kulturlandschaft

 

Do 11.06. – So 14.06.2020, Foyer
WEIMAR ALS GEDÄCHTNISORT UND ORT DER GEDÄCHTNISPOLITIK
Symposium · Ein Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der Kommission Kunstgeschichte, Literatur- und Musikwissenschaft der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig

LESUNGEN

 

So 06.10.2019
»MEIN LEBEN, LEICHT ÜBERARBEITET«
Ein gemeinsamer Abend von und mit Christoph Hein und Wenzel  · Gastspiel

Während Christoph Hein aus seinen neuen Büchern liest, hört Wenzel zu und überlegt, welches Lied er danach singen soll. Die Liste ist lang: Lieder nach Texten von Christoph Hein oder Lieder von Wenzel oder von Theodor Kramer? Und schließlich die Frage: mit welchem Instrument? Mit dem Flügel? Dem Akkordeon? Der Gitarre? Kurz gesagt: Lied und Text im Dialog. Christoph Hein liest. Wenzel singt und spricht.

 

Sa 16.11.2019
WAS WOLLEN DIE DENN HIER?
Eine Lesung mit Joachim Król und Lucas Vogelsang

30 Jahre nach dem Mauerfall machen sich der Reporter Lucas Vogelsang und der Schauspieler Joachim Król, eines der bekanntesten Gesichter des deutschen Films, auf eine Reise durch ein ehemals geteiltes Land und besuchen Menschen, deren Leben 1989 noch einmal neu begonnen haben. Im Osten und im Westen. Im Gepäck haben sie die Fragen an die Gegenwart: Wo hat die Mauer überdauert? Wo wurden Grenzen verwischt? Die Antworten darauf haben beide festgehalten und stellen sie nun auch im DNT vor.

SPECIALS

 

20.11.2019
LET'S TALK #STADTLANDFLUSS

Stadt oder Land? Am Wasser oder in den Bergen? In der Großfamilie oder allein? Entschleunigt oder im ständigen Rausch der Möglichkeiten? Seit 2008 leben weltweit mehr Menschen in Städten als auf dem Land. Wie bereiten sich die Städte und der ländliche Raum auf zukünftige Entwicklungen vor? Im ersten Let’s Talk der Spielzeit gehen wir der Frage nach: Wie wollen wir leben? Und haben wir überhaupt die Wahl?

 

im e-werk
POETRY SLAM

In der Spielzeit 2018/2019 entstanden für einen Poetry-Slam im Rahmen der »Woche der Demokratie« neue Texte. In der Spielzeit 2019/2020 rufen wir Slampoet*innen auf, das Spielzeitmotto »Blühende Landschaften« von allen Seiten zu beleuchten, es hin und her zu drehen oder durch den Kakao zu ziehen. Möge der beste Text gewinnen!