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  • Do 20.01.2022 // 20.00 Uhr // Premiere
  • e-werk weimar (Maschinensaal)
  • Premiere 20.01.2022
  • Alter ab 16 Jahren

Treuhandkriegspanorama

Schauspiel von Thomas Freyer · Uraufführung

Im historisch einmaligen Transformationsprozesses der Wiedervereinigung geriet auch die ostdeutsche Kali-Industrie auf den »Prüfstand« der Treuhandanstalt. Das Kalibergwerk »Thomas Müntzer« in Bischofferode war als wichtiger Devisenbringer für die DDR von herausragender Bedeutung, da dort besonders reines Kaliumchlorid abgebaut wurde. Die Hoffnungen bei den Beschäftigten waren groß, den Weg in die Marktwirtschaft – wenn auch nicht unbeschadet – zu überstehen. Am 31. Dezember 1993 wurde das Werk jedoch nach vielen Bemühungen, strategischen Überlegungen und einem kräftezehrenden Hungerstreik geschlossen. Erst 2014 wurde öffentlich, ist, dass die Anstrengungen der Belegschaft von vornherein wenig Chancen auf Erfolg hatten, denn im Geheimen war die Fusion der ost- und westdeutschen Kaliindustrie (und damit die Schließung des Werks in Bischofferode) bereits beschlossen. Die Spur der Ereignisse von Bischofferode und deren Ausgang verweist auf die Gegenwart: einerseits auf das Wählerverhalten in östlichen Bundesländern, auf die statistisch erwiesene größere Politikverdrossenheit und den Vertrauensverlust in demokratische Verfahrensweisen. Andererseits auf einen industriellen Strukturwandel, der europaweit stattfand (und im Zuge des Klimawandels andauern wird) und zu Brüchen in Biografien führte, die Trauer und Wut provozieren. Im Zuge der Wiedervereinigung manifestierten sich diese Brüche oftmals im Hass auf die Treuhand, diesem »erinnerungskulturellen Zombie der Wiedervereinigung, an dem man sich überwiegend negativ abzuarbeiten pflegt« (Marcus Böick). Diesem Teil der deutschen Wiedervereinigungsgeschichte widmet sich das DNT im Rahmen eines Auftragswerks. Anhand zentraler Motive des 1722 Quadratmeter großen Bauernkriegspanoramas »Frühbürgerliche Revolution in Deutschland« von Werner Tübke entwickelt der Dramatiker Thomas Freyer gemeinsam mit dem Regisseur Jan Gehler – beide in Thüringen aufgewachsen – einen Theaterabend, der sich den Geschehnissen in Bischofferode differenziert nähert. Entstehen wird eine dokumentarische Aufführung, in der möglichst unterschiedliche Perspektiven zu Wort kommen: sowohl derjenigen, die als Zeitzeugen die Ereignisse Anfang der 1990er Jahre miterlebt als auch der Menschen, die den Strukturwandel gesteuert und organisiert haben.

 

Kooperation mit dem Landesarchiv Thüringen und dem Institut für Zeitgeschichte München-Berlin, gefördert von der Kulturstiftung des Freistaats Thüringen und dem GLS Treuhand e.V.
Der Autor ist Stipendiat der Stiftung Preußische Seehandlung Berlin.

 

ℹ️ Gleich vier Projekte der Spielzeit 2021/2022 widmen sich miteinander verwobenen Themenkomplexen der jüngeren und jüngsten deutschen Geschichte, die gleichzeitig auf internationale Kontexte verweisen: »438 Tage NSU-Prozess« (Premiere: 25.8.2021), »Plattenbauten – Inseln der Gegenwart« (Premiere: 10.9.2021), »Hannibal« (Premiere: 30.9.2021) und »Treuhandkriegspanorama« (Premiere: 20.1.2022)

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Do 20.01.2022 // 20.00 Uhr Premiere